Wir-Prozess

 

 

Wie kann es einer Gruppe von Menschen gelingen, dass die einzelnen Mitglieder ihre schützenden und kaschierenden Verhaltensweisen ablegen und so eine authentische, vertrauensvolle und sich gegenseitig wertschätzende Gemeinschaft entsteht?

 

Der gemeinschaftsbildende Prozess nach M. Scott Peck ist ein Werkzeug, mit dessen Hilfe dieses „Wunder“ sehr schnell geschehen kann.

 

Eine Gruppe sitzt im Kreis. Es gibt ein paar Kommunikationsempfehlungen, die im Wesentlichen dazu animieren, von Herzen zu sprechen, mit voller Aufmerksamkeit zuzuhören, nicht zu belehren, nicht zu bewerten und sich nicht zu rechtfertigen. Es geht erst einmal um das Gewahrwerden des „Ich“, darauf folgt die Wahrnehmung und Wertschätzung des „Du“, um dann darüber hinauszuwachsen und ein „Wir-Bewusstsein“ zu entwickeln.

 

In diesem Prozess ent-deckt die Gruppe direkt mit allen Sinnen, dass alle miteinander verbunden sind. Und damit schaffen die Teilnehmenden im Grunde nichts Neues, sondern sie legen nur alles ab, was verhindert wahrzunehmen, dass es so ist.

 

Libellen

 

Wir Prozess – ausführlicher

 

Eine Gruppe sitzt im Kreis und es gibt ein paar Kommunikationsempfehlungen, die im Wesentlichen dazu animieren, von Herzen zu sprechen, mit voller Aufmerksamkeit zuzuhören, nicht zu belehren, nicht zu bewerten und sich nicht zu rechtfertigen.

 

Es gibt kein vorgegebenes Thema oder Ziel. Anfangs ist ein paar Minuten Stille und dann spricht immer derjenige, der den Impuls hat, zu sprechen. Zwischen den Redebeiträgen sollte eine Pause gelassen werden, damit das zuvor Gesagte abklingen kann und alle wieder aufmerksam zuhören können.

 

Für den einzelnen geht es erst einmal um das Gewahrwerden und die Wertschätzung des „Ich“. Das heißt, ich werde mir meiner Empfindungen und Bedürfnisse im jeweiligen Moment bewusst, um spüren zu können, wann ein Impuls zu sprechen in mir entsteht, und auch um diesen von einer bloßen Reaktion auf etwas zuvor Gesagtes unterscheiden zu können. Erst wenn ich mir meiner eigenen Empfindungen bewusst bin und Wertschätzung für mich empfinde, kann ich anderen zuhören, ohne mich in ihnen zu verlieren oder beim Zuhören nur mit mir beschäftigt zu sein.

 

Auf die Wertschätzung des „Ich“ folgt die des „Du“. Ich schenke der jeweiligen Sprecherin meine volle Aufmerksamkeit und Empathie, höre also nicht nur auf ihre Worte sondern achte auch auf meine Empfindungen in Bezug zur ihr und ihren Worten.

 

Als nächster Schritt folgt die Erweiterung meines Bewusstseins hin zu einem Gewahrwerden der ganzen Gruppe. Ich wachse gewissermaßen über das „Ich“ und das „Du“ hinaus und nehme jeden einzelnen aber auch die Gruppe als solche wahr. Aus einem ich und die anderen wird ein Miteinander.

 

Ein wesentliches Merkmal dieses Prozesses ist, dass es keinen Chef gibt („group of all leaders“). Nur am Anfang erklärt der oder die BegleiterIn, worum es geht und benennt die Kommunikationsempfehlungen bzw. legt diese in Form von Zetteln im Kreis aus. Im Laufe des Prozesses lässt diese Person die anfängliche „Leitung“ komplett los. Alle sind gleichermaßen für den Erfolg verantwortlich.

 

Das bedeutet, dass man nicht nur auf die eigenen Impulse achtet, sondern auch darauf, wie es den anderen geht; ob sich z.B. jemand ausgeklinkt hat, oder sich vielleicht nicht traut, einen spürbaren Impuls auszudrücken. Dann sollte man diese Wahrnehmung aussprechen, um denjenigen zu ermutigen und den Prozess in Schwung zu halten.
Es geht um die Entwicklung eines mitfühlenden „Wir-Bewusstseins“. Das „Ich“ löst sich aber nicht in der Gruppe auf, sondern wird integraler Bestandteil des „Wir“.

 

Scott Peck zufolge besteht der Gemeinschaftsbildungsprozess immer aus vier Phasen.
(Die vier Phasen der Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck)

*Ich verwende in diesem Text mal die weibliche und mal die männliche Form und hoffe, dabei gerecht zu sein. 😉