Gongmeditation

 

Die Gongmeditation in der Tradition von Yogi Bhajan und Nanak Dev Singh ist eine sehr kraftvolle Klangmeditation, bei der es durch den flächigen, meditativen Klang des Gongs keine Bezugspunkte für den Verstand gibt, also keinen Rhythmus und keine wiedererkennbare Melodie. Die Gedanken können sich dadurch gewissermaßen in der Weite des Klangs verflüchtigen und der Geist kommt zur Ruhe.

Der sehr sanft beginnende und langsam zu enormer Lautstärke anschwellende Klang des Gongs durchflutet förmlich den gesamten Körper und weitet den Geist. Manchmal ist es so, dass das Ego sich ängstigt vor der „anrollenden Welle“ und festhalten will. Mit dem Vertrauen darauf, dass nichts passieren kann und es in diesem Moment nichts festzuhalten gibt, kann man durch die Angst gehen und sich dem Klangrausch bedingungslos hingeben. Das kann dann eine sehr transformierende, angstlösende Erfahrung sein.

 

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Die radikale Reduzierung der üblichen Ablenkungen während der Gongmeditation und der einnehmende Klang des Gongs erzeugen einen tranceartigen Zustand. Beim „Aufwachen“ aus diesem – nach sanftem Ausklingen des Gongs – stellt sich meistens eine intensive Präsenz ein, quasi das Gegenteil einer Trance. Diese Präsenz kann mehrere Stunden andauern und schleicht sich dann mehr oder weniger unbemerkt wieder davon. Diese Stunden aufmerksam zu erleben, ist ein Genuss. 

 

Es ist im übertragenen Sinn ein wenig so, als wenn man bei schönem Wetter mit dem Auto durch einen langen Tunnel fährt und beim Herausfahren aus der Dunkelheit des Tunnels überrascht ist über die Helligkeit und die intensiven Farben.

 

Man hat die Möglichkeit in diesem offenen Geisteszustand zu realisieren, dass die „Umgebung“ (Menschen, Natur, Dinge etc.) gar nicht so abgetrennt ist von einem selbst. Man nimmt gewissermaßen mehr den Beziehungscharakter und die Verwobenheit war und kann dem zu Folge auch etwaige Verstrickungen mit Menschen und Situationen besser durchschauen.
Das hört sich vielleicht kompliziert an, fühlt sich in diesem Zustand aber sehr leicht und fluid an und die Verstrickungen und Konzepte fühlt man einfach als mehr oder weniger starke Verengungen oder Verdichtungen des Fluiden.

 

Durch den Gong kann eine so tiefgreifende Erfahrung von Widerstandsfreiheit und Verbundenheit eintreten, wie es in der Regel erst nach längerer Meditationspraxis geschieht. Auch im Körper können sich Blockaden lösen, so dass die Energie wieder frei fließen kann.

 

Ich begebe mich während der Gongmeditation in einen meditativen Zustand und verbinde mich über mein Gewahrsein mit den Teilnehmenden. Mit geweiteter Aufmerksamkeit nehme ich wahr, wie sich dieses „Beziehungsfeld“ anfühlt, mit all der Unruhe und Turbulenz, die gerade da ist. Ich begreife mich dabei als dieses Beziehungsfeld und nicht mehr als von den Teilnehmenden getrenntes Subjekt.

 

Mit dem Gongspiel begleite ich meine Wahrnehmungen und kann z.B. durch dynamischeres oder sanfteres Spiel den Wahrnehmungsraum modellieren und Spannungen sich verdichten und dann auflösen lassen. Der Gong dient dabei zum einen als Werkzeug und Katalysator; gleichzeitig ist es aber auch ein Mysterium, wie die Klangschwingungen mit all ihren Obertönen und ihrem durchdringenden Rauschen das Beziehungs- bzw. Bewusstseinsfeld förmlich durchfluten, durcheinander wirbeln und dann langsam zu tiefer Ruhe kommen lassen.

 

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Nach vielen selbst erfahrenen Gongmeditationen habe ich im Jahr 2005 begonnen, das Ritual der Gongmeditation bei meinem Lehrer Nanak Dev Singh – einem direkten Schüler von Yogi Bhajan – zu erlernen. Seit 2007 leite ich selbst Gongmeditationen an und verbinde sie mit der meditativen Heilform „SatNamRasayan“, die ich seit 1999 praktiziere und die ebenfalls durch Yogi Bhajan weitergegeben wurde. Das ermöglicht mir, mich tiefer mit der gesamten Erfahrung der Gongmeditation – mit den Teinehmenden, mit mir als Gongspieler und vor allem mit dem gemeinsamen Erfahrungsraum – zu verbinden und dadurch Heilimpulse setzen zu können.

Auf Nachfrage biete ich auch Einzelsitzungen mit dem Gong und mit SatNamRasayan an.

 

© der Fotos: Gerald Koll