Glossolalie – Stimm-Trance

Liebe Trance Freunde,

 

sobald es wieder möglich ist, Veranstaltungen durchzuführen, informiere ich hier darüber.

 

Herzliche Grüße

von Hardo

 

Den Begriff Glossolalie* benutze ich hier für das schnelle Sprechen von sprachähnlichen Silben, um eine bewusste Trance zu erzeugen – frei von jeglicher Glaubensrichtung.  Dabei ist es entscheidend, das anfangs so schnell zu tun, dass der Verstand keine Zeit hat, die gesprochenen Silben „vorauszuwählen“ oder zu bewerten.
Für viele ist es erst einmal gewöhnungsbedürftig und mit Scham verbunden – sowohl vor sich selbst als auch vor anderen -, auf diese Art zu „sprechen“. Aber bei den meisten gewöhnt sich der innere Richter zunehmend daran und man kann die Artikulationsintensität steigern oder auch mit der Tonhöhe experimentieren, bis man eine Form findet bzw. in eine Form hineingerät, die einem sehr leicht fällt.

 

Nach einer Weile – das kann nach 5 Minuten oder auch erst nach 15 Minuten sein – kann sich Langeweile einstellen oder sich innerlich die Sinnfrage des eigenen Tuns stellen. Diese Hürde muss man nehmen und mit etwas Anstrengung und Vertrauen fortfahren, um in den Genuss der dann langsam entstehenden Trance zu gelangen. Solch eine Stimm-Trance-Session dauert in der Regel 40 – 60 Minuten. 

 

Meiner Erfahrung nach ist es sehr gut, dabei in Meditationshaltung zu sitzen. Durch die Klangschwingungen der eigenen Stimme stellt sich meistens eine sehr intensive Körperbewusstheit ein, die es erleichtert, wach zu bleiben und nicht wegzudriften. Es entsteht ein zunehmend stabiler und intensiver selbst erzeugter Klangraum, in dem man sitzt und zu dem man förmlich wird.

 

Die meisten Teilnehmenden, mit denen ich in den letzten 10 Jahren damit experimentiert habe, empfanden die sich einstellende Stimmung als sehr intensiv, würdevoll, archaisch oder auch heilig. Es fühlt sich zwar für jede und jeden anders an. Im Laufe der Zeit hat sich aber herauskristallisiert, dass fast alle Teilnehmenden eine im Vergleich zum Beginn deutlich intensivierte innere Präsenz und gleichzeitig eine Ausgedehntheit des Bewusstseins wahrnehmen und in der Zeit nach solch einer Session eine gesteigerte Zentriertheit und Wachheit empfinden.

 

 

Man kann diese Form der „Sprechmeditation“ sehr gut allein praktizieren und ich empfinde es als eine sehr schöne und geeignete Einstimmung für eine anschließende Stillemeditation. Eine besondere Erfahrung und ein ganz besonderer Genuss ist es allerdings, sich dieser Praxis in einer Gruppe zu widmen. 

 

Dabei ist es, um die oben gemachten Erfahrungen zu machen, sehr wichtig, dass man eine ganze Weile lang bei sich und den eigenen Klängen bleibt, bis man eine stabile Form gefunden hat. Erst dann sollte man sich den Klängen der anderen öffnen, um der inneren Versuchung bzw. der Tendenz von Rhythmen und Harmonien, sich zu synchronisieren, zu widerstehen. Gelingt das, dann ist die sich einstellende Erfahrung kaum beschreibbar.

 

Es entsteht dann nicht, wie z.B. beim gemeinsamen Tönen, ein „nur“ Gemeinsames, was im übrigen auch eine tolle Erfahrung ist, sondern ein gemeinsamer Klangraum, in dem förmlich solitäre Klangskulpturen wahrnehmbar sind, die, so unterschiedlich sie tonal und rhythmisch auch sein mögen, nebeneinander bestehen und auch miteinander schwingen können, ohne sich ineinander aufzulösen – eine wirklich wunderbare Erfahrung.

 

* Glossolalie oder „in Zugen reden“ sind Bezeichnungen für das schnelle Sprechen von unverständlichen, sprachähnlichen Klängen. In der Bibel ist an mehreren Stellen davon die Rede und es wird z. B. in der Pfingstbewegung benutzt, um den Heiligen Geist zu offenbaren. Es ist aber auch in anderen religiösen Zusammenhängen in vielen Teilen der Welt zu finden.

 

Ich selbst bin vor ca. 15 Jahren durch Zufall darauf gestoßen, weil ich ausprobieren wollte, was passiert, wenn ich statt vorgegebenen Mantren einfach Silben spreche, die in mir entstehen und die erst einmal keine Bedeutung haben. Beim Experimentieren damit, habe ich dann festgestellt, dass ein schnelles Sprechen sehr hilfreich ist, um den Verstand auszutricksen und dadurch tiefer einzutauchen.

 

Erstaunlich war für mich, dass ich, trotz vielen Experimentierens mit unterschiedlichen Tonhöhen und Artikulationsweisen, immer wieder bei einer bestimmten Form angelangt bin, die sich für mich am stimmigsten anfühlt und mit der ich bisher die intensivsten Erfahrungen gemacht habe. Später bei der Arbeit mit Gruppen habe ich dann herausgefunden, dass das für die meisten so zu sein scheint.